Sexsomnia
Alles Wichtige über die Schlafstörung mit Sexlust
Du wachst morgens auf und Dein:e Partner:in erzählt Dir, dass Du nachts sexuell aktiv warst – aber Du kannst Dich an nichts erinnern? Scary! Sexsomnia ist eine ungewöhnliche Schlafstörung: wie Schlafwandeln, aber eben mit Sex. Hier erfährst Du mehr über die Krankheit, die alles andere als harmlos ist.
Sexsomnia: Was ist das?
Sexsomnia (auch Sexsomnie) ist eine spezielle Form der Parasomnie – einer Gruppe von Schlafstörungen, bei denen ungewöhnliche Verhaltensweisen während des Schlafs auftreten (das bekanntere Schlafwandeln gehört auch dazu). Bei der Sexsomnia führen Betroffene sexuelle Handlungen im Schlaf aus, ohne sich später daran erinnern zu können. Diese Aktivitäten können von Stöhnen über Masturbation bis zu Geschlechtsverkehr reichen.
Das Besondere an dieser Schlafstörung: Die betroffene Person ist während der Episoden nicht bei Bewusstsein. Sie handelt im Tiefschlaf, ähnlich wie beim Schlafwandeln. Anders als bei bewussten sexuellen Handlungen fehlen Wahrnehmung und Erinnerung. Für viele Betroffene ist es erschreckend, wenn sie von ihrem nächtlichen Verhalten erfahren, da sie keinerlei Kontrolle darüber haben. Leider kann es durch Sexsomnia auch zu sexuellen Übergriffen kommen.
Achtung: Sexsomnia ist nicht dasselbe wie Somnophilie. Somnophilie ist auch als “Schlaf-Fetisch” bekannt – hier ziehen Personen Erregung daraus mit schlafenden Personen intim zu werden. In einem Rollenspiel lässt sich das konsensuell umsetzen.
# Schlafsex: Kommt das oft vor?
Wie viele Menschen haben Sexsomnia? Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, da viele Betroffene aus Scham nicht zum Arzt oder zur Ärztin gehen – oder gar nicht wissen, dass sie Sexsomnia haben. Eine Studie zeigt, dass etwa sieben bis acht Prozent der Patient:innen in Schlafkliniken von Sexsomnia-Symptomen berichten (was sich prozentual natürlich nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragen lässt). Männer scheinen häufiger betroffen zu sein als Frauen. Expert:innen vermuten, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.
Sexsomnia: Die Ursachen
Die Ursachen von Sexsomnia sind vielfältig und oft komplex. Wie bei anderen Parasomnien liegt der Schlüssel in der Störung normaler Schlafmuster und der Übergänge zwischen verschiedenen Schlafphasen.
Was passiert im Schlaf? Mögliche Ursachen von Sexsomnia
Die Ursachen von Sexsomnia werden oft mit ähnlichen Faktoren in Verbindung gebracht wie die einer „gewöhnlichen“ Schlafstörung:
Sexsomnia tritt typischerweise während des Non-REM-Schlafs (der traumlosen, tiefsten Phase des Schlafzyklus) auf, besonders in den ersten Stunden nach dem Einschlafen. In dieser Phase ist das Gehirn teilweise aktiv, während das Bewusstsein ausgeschaltet bleibt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Sexsomnia auf einer Störung der normalen Gehirnfunktion während des Schlafs beruht:
Externe Einflüsse: So kann Sexsomnia getriggert werden
Äußere Einflüsse können Sexsomnia auslösen oder verstärken:
Wie wird eine Sexsomnia festgestellt?
Die Diagnose von Sexsomnia ist nicht immer einfach, da die Betroffenen selbst keine Erinnerung an die Episoden haben. Meist sind es Partner:innen, die das Verhalten bemerken und thematisieren. Der Diagnoseweg umfasst in der Regel:
Sexsomnia und Beziehung
Für Beziehungen ist Sexsomnia häufig eine ernsthafte Belastungsprobe. Partner:innen fühlen sich oft verunsichert, verwirrt oder sogar bedroht durch das unbewusste sexuelle Verhalten. Gleichzeitig kämpfen Betroffene mit Scham und Schuldgefühlen über etwas, das sie nicht kontrollieren können.
Darüber zu reden, ist der einzige sinnvolle Weg, Euch dem Problem zu stellen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Diese Tipps können Euch helfen, mit einer Sexsomnia umzugehen:
Manche Paare berichten, dass sie nach der Diagnose und mit entsprechenden Strategien gut mit der Situation umgehen können. Andere erleben anhaltende Belastungen, besonders wenn Partner:innen sich durch das Verhalten bedrängt fühlen.
Sexsomnia und rechtliche Konsequenzen
Sexsomnia ist keine banale Krankheit: Wenn Betroffene nicht allein schlafen, kann es zu sexuellen Übergriffen kommen. Und: In einigen Verfahren wegen sexueller Übergriffe wurde der Schlafzustand als Verteidigung angeführt. Das wirft komplexe Fragen zur Schuldfähigkeit auf.
In mehreren dokumentierten Rechtsfällen weltweit wurden Angeklagte auf der Grundlage einer diagnostizierten Sexsomnia freigesprochen oder erhielten mildere Urteile. Die rechtliche Bewertung ist jedoch von Land zu Land unterschiedlich und hängt stark vom Einzelfall ab.
Für Betroffene ist wichtig zu wissen:
Sexsomnia-Therapie: Behandlungsmöglichkeiten
Sexsomnia ist behandelbar, und mit der richtigen Therapie lassen sich die Symptome deutlich reduzieren oder sogar vollständig kontrollieren. Da die Krankheit erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, sollten sich Betroffene auch unbedingt behandeln lassen. Die Behandlung umfasst verschiedene Ansätze, die oft kombiniert werden.
Medikamentöse Behandlung von Sexsomnia
Verschiedene Medikamente kommen bei der Therapie von Sexsomnia zum Einsatz:
Die medikamentöse Behandlung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auftreten können. Zudem muss die Dosierung individuell angepasst werden.
Verhaltensstrategien
Neben Medikamenten spielen Verhaltensänderungen eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Sexsomnia:
Besonders wichtig ist die Behandlung von Grunderkrankungen wie Schlafapnoe oder anderen Schlafstörungen, da diese oft mit Sexsomnia zusammenhängen und einander verstärken können.
Fazit: Sexsomnia sollte unbedingt behandelt werden
Sexsomnia ist eine komplexe Schlafstörung, die sowohl für Betroffene als auch für Partner:innen belastend sein kann. Mit dem richtigen Verständnis, offener Kommunikation und professioneller Hilfe lässt sich die Störung jedoch in den meisten Fällen gut behandeln. Wichtig ist, die Scham zu überwinden und medizinische Hilfe zu suchen. Wenn Du Anzeichen von Sexsomnia an Dir oder einem:einer Partner:in bemerkst, zögert nicht, mit einem:einer Schlafmediziner:in oder Neurolog:in zu sprechen.