Feminisierung im BDSM
Verweiblichung als Role Play
Lust auf einen heißen Rollentausch im Schlafzimmer? Bei der Feminisierung im BDSM (Bondage & Disziplin, Dominanz & Submission, Sadismus & Masochismus) schlüpft der Mann in Frauenkleider – und manchmal in eine komplett neue Identität! Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen und Spielarten. In diesem Artikel erfährst Du alles Wichtige über Feminisierung und Ihre verschiedenen Formen im BDSM.
Was ist Feminisierung?
Die Bedeutung des Begriffs der Feminisierung (von lateinisch femina „Frau“; engl. feminisation/feminization), auch Verweiblichung genannt, ist für mehrere Lebensbereiche relevant – nicht nur, wenn es um Sex geht. Ganz allgemein versteht man unter Feminisierung die Zunahme weiblicher Merkmale oder Eigenschaften. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass bei der Feminisierung der Mann zur Frau wird – es kann sich auch auf den Frauenanteil in gewissen Bereichen beziehen.
Die Geschichte der Feminisierung
In Biologie und Medizin wurde der Begriff bereits im 19. Jahrhundert verwendet. Eine soziologische Bedeutung hatte die Feminisierung dann jedoch erst im 20. Jahrhundert – mit der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Vordringen von Frauen in die Arbeitswelt. Der Begriff „Feminisierung“ wurde zu dieser Zeit jedoch auch oft negativ verwendet, um die vermeintliche „Verweichlichung“ von Männern zu beschreiben.
Im Zusammenhang mit Sex, Fetisch und BDSM beginnt die Geschichte der Feminisierung erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts, da die Geschlechterrollen lange fest definiert waren und Rollenspiele tabuisiert wurden. Mit der sexuellen Revolution in den 1960er und 70er Jahren erlangten Feminisierung und das Auseinandersetzen mit den Geschlechtsidentitäten dann aber mehr Bedeutung. Seit den 1990er Jahren ist Feminisierung als BDSM-Praktik bekannt – woran das Internet und die mediale Präsenz auch maßgeblichen Anteil hatten.
# Good to know
Als sexuelle Revolution bezeichnet man den Kampf für den Wandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem sexuelle Themen nach und nach enttabuisiert wurden. Einige nennenswerte Ergebnisse waren Verhütungsmittel, erste Schritte zur rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen Personen und die Emanzipation. Ein Blick in unsere heutige Gesellschaft zeigt: Vieles hat sich verändert – der Kampf ist aber noch lange nicht zu Ende.
Formen der Feminisierung im BDSM
Feminisierung ist nicht gleich Feminisierung. Als BDSM-Rollenspiel kann die Verweiblichung freiwillig oder unter Zwang geschehen – aber auch die Zwangsfeminisierung sollte einvernehmlich geschehen und nur im Sinne des Role Play erzwungen werden.
BDSM ist ein Überbegriff für erotische Praktiken, die Bondage, Dominanz, Submission und Sadomasochismus umfassen. Dabei geht es um Machtspiele, bei denen eine Person die Kontrolle übernimmt (dominant) und die andere sich hingibt (submissiv), stets basierend auf gegenseitigem Konsens und festgelegten Grenzen.
Freiwillige Feminisierung im Gender Play
Bei der freiwilligen Feminisierung im Gender Play wählt der Mann die Verweiblichung selbst und wird weder gezwungen, noch erniedrigt oder bestraft. Es handelt sich um ein einvernehmliches Rollenspiel, bei dem der Mann aus eigenem Antrieb in die weibliche Rolle schlüpft. Dies kann verschiedene Gründe haben:
Viele Paare erleben diese Form der Feminisierung als bereicherndes Element ihrer Sexualität, das neue Perspektiven eröffnet und das gegenseitige Verständnis fördert. Die Atmosphäre ist dabei spielerisch und von gegenseitigem Respekt geprägt, ohne Zwangselemente oder Demütigung.
Zwangsfeminisierung und Sissification
Die Zwangsfeminisierung, wie sie zum Beispiel bei der Sissification praktiziert wird, geht teilweise mit Bestrafung und Demütigung einher. Hier wird die Verweiblichung als Teil eines Machtspiels eingesetzt, bei dem der submissive Partner (der „Sissy“) in eine feminine Rolle gedrängt wird, oft verbunden mit:
Die Erniedrigung kann dabei ein zentrales Element sein, wobei die erzwungene Weiblichkeit als Form der Unterwerfung inszeniert wird.
Wichtig: Diese Spielart basiert immer auf vorher vereinbarten Grenzen und einem sicheren Rahmen, in dem alle Beteiligten einverstanden sind.
Feminisierung durch eine Domina
Eine spezielle Art der Zwangsfeminisierung ist die Feminisierung durch eine Domina, bei der es ein klares Machtgefälle zwischen Dom und Sub gibt. Die dominante Partnerin übernimmt dabei die vollständige Kontrolle über die Verweiblichung des submissiven Partners und kann:
Diese Form der Feminisierung kann besonders intensiv sein, da die Macht vollständig bei der dominanten Partnerin liegt. Sie erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und klare Absprachen bezüglich der Grenzen. Für viele Praktizierende liegt der Reiz gerade in dieser Machtabgabe und der damit verbundenen Befreiung von gesellschaftlichen Erwartungen an Männlichkeit.
Temporäre vs. dauerhafte Feminisierung
Je nach Vereinbarung kann die Feminisierung auf bestimmte Zeiten beschränkt sein oder einen dauerhafteren Charakter annehmen:
Psychologische Aspekte der Feminisierung im BDSM-Bereich
Die Gründe für Feminisierung sind genauso vielfältig wie BDSM an sich und variieren von Person zu Person. Lust und bewusster Tabubruch können Männer dazu verleiten, das Gender Play im Schlafzimmer (oder darüber hinaus) zu praktizieren. Das hat erstmal auch gar nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, sondern kann einfach Dein Kink sein.
Dabei spielen nicht selten Macht, Kontrolle und Unterwerfung eine Rolle. Wer das Spiel zwischen Dom und Sub liebt, gibt entweder gern die Kontrolle ab oder führt sie ganz bewusst aus. Oft ist das genau gegensätzlich zum Real Life – muss aber nicht sein. Die Dynamiken bei BDSM-Rollenspielen mit und ohne Feminisierung können deshalb stressabbauend und stärkend wirken.
Eine weitere Motivation kann sein, die eigene Identität zu erkunden. Was vielleicht mit Crossdressing anfängt, kann sich durch Feminisierung als BDSM-Rollenspiel auf das Sexualleben ausweiten. Ziel ist nicht, zu entscheiden, welchem Geschlecht Du angehörst, sondern ganz in Ruhe und auf spielerische Art die eigenen Vorlieben zu erkunden.
So wird die Feminisierung im BDSM umgesetzt
Neben der freiwilligen Feminisierung ist die Zwangsfeminisierung durch eine Domina eine beliebte Praktik. Bei dieser werden devot veranlagte Männer durch eine Femdom zur Frau gemacht. Hier gibt es auch Überschneidungen zum Sissy Play, es muss aber nicht 1:1 übereinstimmen. Wichtig: Auch bei der Feminisierung mit Dom-Sub-Spielen gibt es klare Regeln, die vorher gemeinsam vereinbart wurden.
Hauptmerkmal der Feminisierung ist weibliche Kleidung – im BDSM-Bereich sind das gerne mal Lack und Leder, aber auch Rüschen- und Spitzenkleidung. Die Frau, die aus dem Mann wird, ist meist überzeichnet dargestellt, was sich durch klischeehafte Kleidungsstücke, übertriebenes Make-up und extrem hohe High Heels zeigt. Falsche Brüste sind ebenfalls gerne da und sehr üppig.
Neben weiblichen Outfits, Accessoires, Schmuck und starker Schminke können auch Sprache und Verhalten Teil der Feminisierung sein. Das geht dann manchmal so weit, dass das Rollenspiel auf den Alltag zu Hause ausgedehnt wird und der Mann zur überzeichneten Hausfrau wird.
Inwieweit es bei der Feminisierung zum Sex kommt, ist ganz individuell. Manchmal wird der verweiblichte Mann zur Keuschheit gezwungen, manchmal erfolgt Orgasmuskontrolle und manchmal darf die Penetration nur auf passive Art erfolgen – zum Beispiel anal mit einem Dildo.
# How to start
Hast Du noch keine Erfahrung mit Feminisierung und den BDSM-Praktiken, ist es umso wichtiger, Dir eine vertrauenswürdige Person als Gespiel:in zu suchen. Alternativ zum privaten Rahmen eignet sich auch ein Besuch bei einer professionellen Domina, um die Grundprinzipien zu erlernen. Auch über Regeln und Aftercare bei BDSM-Praktiken kann diese Dich bestens aufklären. Erlaubt ist, womit alle Beteiligten einverstanden sind. Mit einem vereinbarten Safeword kannst Du die Session jederzeit beenden, wenn es Dir zu weit geht oder Du Dich unwohl fühlst.
Fazit: Feminisierung im BDSM ist ein erotisches Rollenspiel
Wenn im Zuge eines Role Play der Mann zur Frau wird, spricht man von Feminisierung. Diese BDSM-Praktik kann freiwillig oder unter gespieltem Zwang geschehen. Oft wird ein solches BDSM-Gender-Play auch zur Erkundung der eigenen Geschlechtsidentität praktiziert – somit kann Feminisierung auch auf der Suche nach dem Selbst helfen oder einfach nur Kink sein.